Kommentar zum Symposium: Volkssportdesign
Ich wage mal zu bezweifeln, dass Volkswirte mit ihren Methoden im Stande sind volkswirtschaftlichen Schaden zu ermitteln. Es gibt nicht wenige die VWL für eine Pseudowissenschaft halten. Was natürlich die Aussagen von Nichtvolkswirten welche volkswirtschaftliche Methoden anwenden nicht richtiger macht. Aber das nur am Rande.
Die größten Missverständnisse die entstehen, wenn man Crowdsourcing/Open Innovation mit einem Standard-Freelancer-Job vergleicht sind die, dass es sich hierbei um komplett unterschiedliche Produktionsprozesse handelt.
Scheinbar ist das Endprodukt das gleiche und der Aufwand (Arbeitsstunden-Aufwand) für den Designer größer bei einem niedrigeren Preis.
Also ist das aus der Sicht eines Designers zunächst eine Verschlechterung seiner Situation. Bevor ich zum Designer komme möchte ich den Auftraggeber mal näher beleuchten.
Welche Vorteile ergeben sich für ihn. (Ich benutze bewusst etwa polemische Formulierungen um den Standpunkt des Auftraggebers zu verdeutlichen)1. Er kann immer seinem Budget entsprechend den Auftrag vergeben. Es kommen keine Mehrkosten auf ihn zu. Er muss sich nicht mit einem Designer in der "Erstanamnese" rumschlagen um dann festzustellen, dass ihm sein Angebot zu teuer ist. 2. Es ergeben sich für ihn keine endlosen Korrekturschleifen, wo der Designer einfach nicht verstehen will, dass der Auftraggeber kein "Kunstwerk" sondern ein Logo möchte, dass zu seinem Unternehmen passt. Er bekommt zB. 50 Angebote und kann sich einfach das Angebot raussuchen, welches am besten zu seinem Unternehmen passt. 3. Zusätzlich erhält der Auftraggeber Informationen über sein Unternehmen/Produkt. Die Designer bewerten und kommentieren die Logos und setzen diese im Verhältnis zu dem Unternehmen. Der Auftraggeber erhält im Idealfall von seiner eigenen Zielgruppe eine Bewertung und Kommentare zu den Logos.4. Ist der Auftraggeber bereit eine größere Summe zu zahlen, kann er mehr Designer dazu animieren mitzumachen und somit sein Unternehmen/Produkt zusätzlich vermarkten. Er kann virale Effekte etc. nutzen. Crowdsourcing lässt sich einfach besser in die neuen Marketing- Kommunikations- und Entwicklungsmethoden der Unternehmen integrieren.Das heisst aus der Sicht des Auftraggebers spricht sehr viel gegen das klassische System "ich Beauftrage einen Designer der mit mir gemeinsam mein CI erarbeitet um dann ein Logo zu entwickeln". Natürlich sagt der klassische Designer, dass nur dieser Prozess dem Unternehmen wirklich hilft. Letztlich jedoch erfährt der Auftraggeber auch durch das neue System sehr viel über sein Unternehmen und sein Image etc. Nur dass er es direkt von eine "Crowd" erfährt, was für den Auftraggeber wesentlich eindeutiger und somit effektiver scheint.
Das Argument, das zum größten Teil qualitativ mindere Designware raus kommt, ist durch nichts belegbar. Es gibt genug Designarbeiten von Profis die ebenfalls mindere Qualität haben. Zwar weniger als bei einer "Flut" von Logos, aber sie kommt oft genug vor. Dem Auftraggeber ist es egal, denn bei 50 Logos
findet man als Auftraggeber genug gute Vorschläge.
Wenn wir ehrlich sind, müssen wir uns eingestehen, dass nicht der Auftraggeber ein schlechteres Design, Designergebnis, CD oder CI erhält, sondern in erster Linie der Profi-Designer mit seinem über lange Jahre perfektionierten Arbeitsprozess, nicht mehr so gefragt ist oder in Zukunft sein könnte. VORTEIL DESIGNER
Kommen wir nun zu der Position des Designers im neuen Produktionsprozess.
1. Vorteil:
Der Designer muss keinen Kunden akquirieren, von seinen Fähigkeiten im Voraus über seine Referenz überzeugen oder ihm seinen Nutzen verkaufen. Er kann sofort los gestalten. 2. Er kann sich vom größten Stressfaktor im Designprozess lösen. Nämlich dass der Auftraggeber den Designer versucht dazu zu zwingen das Design nach seinen Bedürfnissen zu verschlimmbessern - was dem Designer meist einem masochistischen Akt gleich kommt.
Der Designer macht ein Angebot. Der Auftraggeber kann es annehmen oder sein lassen, ohne dass beide Parteien in einem größeren Konflikt geraten.
Es besteht kein Auftragsverhältnis. Der Auftraggeber macht ein Angebot und der Designer auch. 3. Der Designer kann sich seinen Auftrag aussuchen und gestalten weil ihn das Projekt anspricht. Der Designer sucht sich also die Aufträge aus die er interessant findet. Der Designer hat keine Verpflichtung dem Auftraggeber gegenüber.
Und diese ungezwungene Art zu gestalten ist für viele Designer sehr attraktiv, weil die meisten Designer nicht gestalten um Geld zu verdienen sondern in erster Linie weil sie Freude darin haben. Das Geld verdienen kommt dann mit der Zeit von Alleine. Im Übrigen führt die Eigenmotivation auch zu einem besseren Ergebnis für den Auftraggeber.
Das heisst für jeden Designer der in erster Linie gestaltet weil es ihm Spaß macht ist dieses Produktionssystem klar im Vorteil. Er ist nicht blöd oder verkauft sich unter Wert. Er macht etwas freiwillig. Im Gegenzug darf der Auftraggeber den Designer nicht "wie einen Leibeignen" behandeln.
Diese Form des "Arbeitens" ist nichts neues. Sie hat sich in vielen Bereichen manifestiert und ist dabei sich weiter auszuweiten. Der Arbeitstitel dieser Form nennt sich (welch eine Überraschung) "Web 2.0". Diese Art des freiwilligen Zusammenarbeitens macht inzwischen nicht einmal vor festen Unternehmensstrukturen halt. Und zwar nicht deshalb weil das Experiment gescheitert ist.FAZIT
Das Problem welches man mit Crowdsourcing/Open Innovation hat, besteht letztlich im Kern darin, dass man als Profi-Designer die gelernten Einnahmequellen verliert.
Wenn jedoch in einem Systemwechsel der einzige Gegner des neuen Systems der "erfolgreiche" Profi-Designer ist, dann muss sich der Profi-Designer fragen, ob er mit seiner Arbeitsweise einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Letztlich hat er zwei Möglichkeiten: Er kann dagegen ankämpfen und letztlich verlieren, denn Web 2.0 ist eine zu starke Entwicklung als sie ein paar Profi-Designer stoppen könnten. Oder er sucht sich mit seinen Fähigkeiten Wege im Neuen System Geld zu verdienen und es mit zu gestalten. Er könnte z.B Crowdsourcing-Projekte leiten und moderieren. Er könnte die Vorschläge die der Kunde sich ausgesucht hat feinschleifen und auf das gesamte CD übertragen etc.
Auch im neuen System werden Profi-Designer erforderlich sein. Jedoch nicht als die einzigartigen Genies die ein perfektes formvollendetes Signet zum Leben erwecken.
Denn gerade die Frage der Verteilung des Geldes durch die Wertschöpfung ist noch ziemlich holprig gelöst.
Letztlich ensteht der Wert eines Crowdsourcingprojektes durch die Zusammenarbeit, die Kommentare und Bewertungen vieler Menschen.
Es ist jedoch schwierig zu ermitteln welche Person wieviel geleistet hat. Das Geld erhält letztlich nur eine kleine Gruppe.
Man versucht also ein kollektiv geschaffenen Wert individuell zu verteilen.
Dies sind Fragen die beantwortet werden müssen. Und dazu braucht man kreative Köpfe (auch die die mit ihrer Kreativität bis jetzt Geld verdient haben).